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Die Laternenzeit und St. Martin in unserem Kindergarten

Nach den Herbstferien ist es nun unverkennbar: Morgens wird es später hell und abends früher dunkel - die Tage werden merklich kürzer. Auf dem Jahresfarbenkreis geht es nun in einen bräunlichen Ton über, der sich auch auf unserem Jahreszeitentisch wiederfindet. Zweige mit buntem Laub, Kastanien u.m. schmücken den Tisch – und eine Laterne steht schon da.

Aber auch ein Wolltuch hängt schon an der Seite: der „Mantel“ von St. Martin, der diesen teilte und die eine Hälfte einem armen, frierenden Bettler schenkte. Dieses Geschehen in Form eines Singspiels spielen wir ab November zur Reigenzeit und auch auf unserem Laternenfest. Doch bis dahin haben wir noch viel zu tun: Wir basteln „Laternen aller Arten, rote, grüne, gelbe, blaue, lieber Martin, komm und schaue.“ Jedes Kind darf nun sein Aquarellpapier mit leuchtenden Farben färben, das anschließend geölt wird und dadurch seine besondere Leuchtkraft bekommt. Aus diesem Papier wird dann die Laterne gebastelt. Am Waldtag suchen die Kinder schöne Stöcke, die - glatt und schön bearbeitet - als Laternenstöcke dienen. Zum Schluß bekommt jede Laterne eine echte Kerze und ein Kind nach dem anderen darf nun einmal ausprobieren, wie man eine Laterne mit einer echten Kerze tragen muss. Ordentlich aufgereiht bleiben diese dann aber auf der Fensterbank – bis zum Laternenfest. Am Wochenende vor dem Martinstag ist es dann soweit:

Alle Kinder und Eltern treffen sich um 17.00h am Kindergarten und dürfen das Puppenspiel vom Laternenmädchen anschauen. Anschließend werden auch die Kerzen in unseren Laternen angezündet und wir gehen langsam singend durch die Dunkelheit. Nicht nur für den Beobachter, der von weitem diesen Zug anschaut, ist dies ein beeindruckender Anblick. Auch die Kinder, die ihre Laterne - mit einer echten Kerze - durch die dunkle Welt tragen, sind gebannt von diesem Erlebnis. Ruhig und gemächlich schreiten sie dahin. Und auch die Eltern sind erstaunt bis gerührt, wie besonnen ihre Kinder sein können.

Wieder im Kindergarten-Garten angekommen dürfen sich die Kinder in den vorbereiteten Sitzkreis setzen. Die hinter ihnen stehenden Eltern übernehmen die Laternen und leuchten über das nun kommende Geschehen. Ich hole den „Mantel“ des Martin, der aus zwei Teilen besteht, nun aber noch so gebunden ist, dass er wie ein einteiliger aussieht. Schnell stellen sich die Kinder wie zur Reigenzeit in einen Kreis. Wir spielen das gewohnte Singspiel und wir können am heutigen Abend mitfühlen mit dem armen, frierenden Bettler, denn auch wir spüren die Kälte. Wir können uns aber auch freuen, dass Martin ihm einen Teil seines Mantels abgibt, denn auch wir freuen uns über unsere Mäntel, Mützen und Handschuhe.

Nach dem Spiel reicht ein Elternteil die selbstgebackenen „Mondenhörnchen“. Jeder darf eines nehmen und teilt es mit seinem Nachbarn: welch ein reges Geben und Nehmen, wie schön und lebendig doch das Teilen ist. Wenn alles aufgeteilt und verzehrt ist, gibt es noch warmen Punsch, denn Essen und Trinken gehören zu einem schönen Fest dazu. Gemeinsam singen wir noch ein Abendlied und lassen zusammen unsere große „Abendglocke“ läuten.

Mit diesem Eindruck verlässt nun eine Familie nach der anderen, ruhig und besonnen mit ihren leuchtenden Laternen, den Garten.