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Ablösung der Kleinsten

Mit circa drei Jahren, genau genommen in dem Moment, wenn das Kind „Ich“ zu sich selbst sagt, beginnt der Prozess des „Sich-selbst-bewusst-werdens“ des Menschen. Vorher lebt das kleine Kind noch völlig im Umkreis - es spricht von sich selbst in der 3. Person. Aus diesem Grund sprechen wir das Kind, wenn es am Morgen im Kindergarten ankommt, nicht gleich an, sondern wir schaffen zuerst mit einer einladenden inneren Haltung und einer sinnvollen äußeren Tätigkeit eine Atmosphäre, in der Kinder sich wohlfühlen und auch gerne aktiv werden wollen.

Erst wenn es in diesen atmosphärischen Raum „eingetreten“ ist und Kontakt zur Erzieherin oder zum Erzieher aufgenommen hat, wendet sich diese oder dieser in behutsamer Weise und mit großer Zurückhaltung dem Kind zu. Es fühlt sich gesehen und angenommen, behält aber den nötigen Freiraum, seinem eigenen Spielimpuls nachzugehen. Auf diese Weise kann sich das Kind mit der neuen Umgebung vertraut machen.

Währenddessen halten Mutter oder Vater sich bewusst zurück und „lassen das Kind los“. Erst wenn das Kind im Umkreis der Erzieherin oder des Erziehers angekommen ist, können sie guten Gewissens gehen. Das Kind hat seinen neuen Umkreis gefunden - es fühlt sich sicher. So wird das Urvertrauen, das jedes Kind bei der Geburt mit auf die Welt bringt, nicht verletzt und es fühlt keinen Abschiedsschmerz.
Einem Ablöseprozess dieser Art muss eine ausführliche Absprache zwischen Eltern und Erziehern vorausgehen, damit ein Verständnis für diese Zusammenhänge entstehen kann. Gelingt es, diese Tragfläche zu schaffen, kann das kleine Kind wie selbstverständlich freudig und sicher zwischen diesen „Räumen“ hin und her wandern - ein gutes Gefühl für alle Beteiligten.